Von
mehreren Mineralbrunnen mit Heilwirkung wird die "Kurquelle",
hydrogeologisch als Bohrung S-3 bezeichnet, verwendet. Die Bohrung ist 57,2 m
tief. Der Zufluβ aus Quarzkies liegt im Tiefenbereich 53,5 -
57,2 m. Die Bohrung wurde
1995 rekonstruiert (51). Bis in eine Tiefe von 49,6 m wurden AKV-Rohre des Durchmessers
133 mm eingelassen. Aus dem gleichen Werkstoff besteht der Bohrkopf. Aufgrund
eines langfristigen Pumpversuches wurde die optimale Ergiebigkeit der Bohrung
bestimmt, sie lag bei 6,91.s'1 (596,2 m3/tag). Der Wasserdruck schwankt zwischen
0,5 und 0,75 MPa. Die Temperatur am Austritt liegt konstant bei 27 - 28 °C. Das
Wasser enthält 99,46 Vol.% Kohlendioxid, das Phasenverhältnis Gas/Wasser
liegt bei 2,9. Die Entgasungsanlagen gewährleisten das Abscheiden des Gases aus
dem Mineralwasser. Das Mineralwasser gelangt ohne wesentlichere Veränderungen
der physikalischen und chemischen Zusammensetzung an den Ort der Applikation der
Badeprozeduren. Bei der therapeutischen Anwendung wird die Zusammensetzung des
Mineralwassers so genutzt, wie es aus der unten angeführten
Physikalischchemischen Analyse sowie aus der Bestätigung., welche vom
Ministerium für Gesund- heitswesen der SR erteilt wurde, hervorgeht.
Wie aus den Analysen hervorgeht, stützt sich die Kurbehandlung in
Dudince vor allem auf den Gehalt der gelösten Gase, und zwar Kohlendioxid CO2
im Bereich 1,4 -1,8 g.l,1 und Schwefelwasserstoff H2S 5 -
10 mg.l'1, aber eine bedeutende
Komponente bilden auch die übrigen lonen, die in diesem wertvollen
Mineralwasser vertreten sind. Auch diejenigen, die wegen der hohen Ansprüche,
die die Norm stellt, nicht in die Charakteristik aufgenommen wurden, obwohl sie
den geforderten Kriterien schon na he kommen, so sind z.B. die Sulfate mit dem
Gehalt von 509,8 mg.I,1 sa 4 biologisch und pharmakologisch bedeutend, ferner
die Elemente
Magnesium (Mg), Kalium (K), Lithium (Li), Strontium (Sr), Fluor (F), Radon (Rn).
In Hinblick auf seine Temperatur von 27 -
28 C wird es individuell für
therapeutische Zwecke auf 34 bis 38 C, je nach ärztlicher Vorschrift, für
Wannenbäder erhitzt, und für das Gruppenbaden im Becken auf 34 C. Das Erwärmen
erfolgt in äußerst schonender Weise mittels Dampferhitzern in nicht
korrodierenden Doppelmantelwannen. Dadurch sinkt im definitiven Wannenbad
der e02-Gehalt nach dem Erhitzen mindestens im Bereich 50
-100 mgJ1, in Becken um 100 - 120
mg.l-1. Dabei bleibt der H2S-Gehalt praktisch unverändert. Bei Erhalt der
Qualität des Mineralwassers durch den beschriebenen schonenden Umgang bei der
Vorbereitung zur Applikation und bei der 20-minutigen Applikation selbst kommt
es beim Patienten zu einer Hyperämisierung des gesamten Organismus.
In der Therapie rechnen wir mit den Wirkungen des eo2, des Hß und
der Mineralstoffe nach ihrer Resorption.
Die
Wirkungen von Kohlendioxid nach der Resorption
Der
Gehalt von 1560 mg.l-1 Kohlendioxid (CO2) in einem Liter Wasser des Dudincer
Naturbrunnens "Kurquelle" entspricht völlig der Klassifikation als
kohlensaures Heilwasser, denn dazu genügen schon 1 g pro Liter Wasser.
Die Primärwirkung dieses kohlensauren Bades ist:
1. Entstehung von Kohlendioxid-Bläschen an der Haut,
2. Diffusion des im Wasser gelösten Kohlendioxids in Abhängigkeit von:
a) der
CO2-Partialdruckdifferenz
b) der Hautdurchblutung,
c) der
Hautbeschaffenheit.
3. Absorption des Kohlendioxids,
4. Rasche Abfuhr des absorbierten CO2.
Die
Kohlendioxidaufnahme hängt von der Konzentration im Bad ab, von seiner
Dispersion, von der Stärke des Unterhautgewebes, von der im Bad eingetauchten
Hautfläche und von der Badedauer. Aus einem kohlensauren Gesamtbad
werden 10 -
80
ml (durchschnittlich 30 ml CO2.min-1.m-2 eingetauchte Hautfläche) resorbiert,
was 1,8 -
4,5
I pro Stunde entspricht.
Im Vordergrund steht beim Wirkmechanismus von Kohlendioxid auf den menschlichen
Organismus die
durch die Haut resorbierte Menge. Für die Kurpraxis ist die Erkenntnis wichtig,
daß das im Wasser gelöste Kohlendioxid resorbiert wird. Das heißt, die
kleinen Bläschen, die sich während des Badens an der Haut festsetzen, hemmen
eigentlich das Eindringen des im Wasser gelösten Kohlendioxids. Deswegen wird
darauf geachtet, daß diese Bläschen durch langsame, vorsichtige Bewegungen
ohne große Wirbelbildung abgestriffen werden.
Die unmittelbaren Wirkungen des Kohlensäurebades, die in der Praxis genutzt
werden, sind:
1. Der Umbau von präkapillaren Arteriolen zugleich mit Vermehrung der blutführenden
Kapillaren,
2. Beschleunigung des Blutstroms in den Kapillaren,
3. vasomotorische Aktivität,
4. Dämpfung der Kälte- und Stimulierung der Wärmerezeptoren und somit
Absenkung des indifferenten
Wärmepunktes von 35 C
bei Leitungswasser auf 32 -
33
C bei Kohlendioxidwasser,
5.
Absinken der Körpertemperatur in 32 –
33
C
Kohlensäurebad um 0,5 -
1,0
C,
6. Veränderungen im Blutkreislauf, und zwar Verringerung des peripheren
Widerstan des,
Autotransfusion in die
Körperperipherie, Absinken des Blutdrucks infolge der Applikation des
Kohlensäurebades,
Pulsverlangsamung - Bradykardie.
Infolge der Applikation des Kohlensäurebades kann sich die Hautdurchblutung
bis um 300 % erhöhen.
Therapeutisch
wird
das
Kohlensäurebad insbesondere
wegen seines Einflusses auf die Hämodynamik eingesetzt, also zum Absenken des
peripheren Widerstands und somit zum Senken des systolischen Blutdrucks (SBD)
und diastolischen Blutdrucks (DBD), Verringern der Herzfrequenz und Verlängern
der Diastole mit anschließendem erhöhten systolischen und Minutenvolumen des
Herzens bei kardiovaskulären Erkrankungen, insbesondere bei der Hypertonie.
Die Druckarbeit des Herzens wird
zur wirtschaftlicheren Volumenarbeit umgewandelt. Siewert et al. (63)
beschrieben auch den Anstieg der Ejektionsfraktion als Äußerung der
verbesserten Leistungsfähigkeit des Herzen nach dem Kohlensäurebad. Das
Absinken von SBD und DBD während des Bades wurde in Dudince schon zu einem
Zeitpunkt beobachtet, als diese Ansichten noch nicht einheitlich waren und behauptet
wurde,
daß der Blutdruck erst nach Abschluß des Kohlensäurebades absinke (31).
Beschrieben
wird auch die positive Wirkung des Kohlensäurebades auf die Fließeigenschatten
des Blutes. Es handelt sich um ein Verringern der Viskosität von Blut, Plasma
und des Hämatokritwertes, was die Gewebeperfusion
verbessert (58). Hartmann et al. (22)
wies
im Kohlensäureteilbad T 28 C bei Patienten mit Varizen plethysmographisch eine
Reduktion der Venenkapazität um 25 % nach. Im Wasserleitungsbadwurden diese Veränderungen
nicht festgestellt. Das Kohlendioxid bewirkt auch eine Anhebung der Reizschwelle
von myelinisierten Nerven und vergrößert die Dämpfung des Reizprozesses.
Schnizer
et al. (60) verzeichneten im thermoneutralen Bad einen bedeutenden Anstieg des
atrialen natriuretischen Peptids (ANP) und ein Absinken von Renin, Noradrenalin
und Adrenalin bei Normotonikern und Hypertonikern, aber 60 Min. nach dem Bad
kehrten die Werte in ihre Ausgangsposition
zurück.
Beim Vergleich der Wirkungen eines Wasserbades und eines Kohlensäurebades bei
Hypertonikern wurde festgestellt, daß das Kohlensäurebad intensivere Auswirkungen
auf die erwähnte Änderung von Renin und Aldosteron im Plasma hat (37).
In
Dudince stellten Strec et al. (69) fest, daß es im Bad schon in der 10. Minute
zu einem starken Anstieg von ANP kommt, der bis zum Ende des Bades (30 min)
weiter anhält. Während der 45-minutigen Ruhe kehrte die ANP-Konzentration zu
ihrem Ausgangswert zurück. Die Reaktion war sowohl im isothermalen als auch im
hyperthermalen Bad die gleiche. Beim Vergleich von Wasserbad und Kohlensäurebad
wurde nach dem Kohlensäurebad ein größerer Prozentsatz
von Veränderungen in der
Pulsfrequenz (P), im systolischen Blutdruck (SBD), im diastolischen Blutdruck (DBD),
im Aldosteron (ALDO), in der Diurese, in der Plasmareninaktivität (PRA)
nachgewiesen, in der Natriurese gab es keine Unterschiede in den Natriumwerten,
die Kaliurese war nach dem Kohlensäurebad geringer.
Bei
der Beobachtung von Kohlensäurebad und
Diuretika in Dudince zeigte
sich, daß die diuretische
Wirkung von Furosemid höher ist als die Wirkung des Kohlensäurebades, die
Wirkung des Diuretikums Amilorid dagegen ist geringer und die Wirkung von
Hydrochlorothiazid ist etwa gleich groß. Die Gesamtwirkung der Kombination von
Diuretika und Kohlensäurebad gleicht der Summe der Einzelwirkungen. Ähnliche
Ergebnisse wurden auch in Sliac erzielt. Bei der Kombination des Betablockers
Trimepranol und Kohlensäurebad unterstützte das Bad leicht das Sinken von P,
SBD und DBD, und der Prozentsatz
der
Veränderungen
von
PRA, ALDO und Diurese stieg (69).
Die
Wirkungen
von Schwefelwasserstoff und anderen
Mineralstoffen nach der Resorption
Die
Resorption von
Schwefelwasserstoff (H2S) und Hydrosulfid (HS) im Bad hängt vom pH-Wert ab. Mit
höherem pH erhöht sich die Konzentration
von
HS und sinkt der Gehalt an Hß sowie der Prozentsatz resorbierten Schwefels. Die
aus dem Bad resorbierte Menge an Sulfiden ist 150 mal größer als die
Schwefelwasserstoffmenge. Radioaktiv markierter Schwefelläßt sich schon 15
Minuten nach dem Bade in Haut und Blut nachweisen, ein Maximum erreicht er 3
Stunden nach dem Bad. Zu den spezifischen Wirkungen von schwefelhaltigem Wasser
gehört die intensive Rötung der Haut, die Erweiterung von Kapillaren und
Arteriolen. Die Hautdurchblutung steigt mit der H2S-Konzentration und der Wärme
des Bades. Man zieht vasoaktive Stoffe in Erwägung, oder
Wirkungen
auf die peripheren Nervenendigungen und auf die Rezeptoren der GefäßmuskelzeIlen.
H2S verringert die Empfindlichkeit der Kälterezeptoren und erhöht die
Empfindlichkeit der Wärmerezeptoren. Ferner schwächt er das Schmerzgefühl und
verringert Juck- und Brennempfindungen. Die in der Hämodynamik des
Blutkreislaufs hervorgerufenen Änderungen sind analog wie die nach Kohlensäurebädern.
Nach Schwefelbädern wurde eine Dämpfung des Metabolismus, der mit Adrenalin
und Thyroxin stimuliert worden war, festgestellt.
Nach
der Arbeit von Artmann und Pratzel (2), die sich mit der Wirkung von H2S auf die
Langerhansschen Zellen beschäftigte, also auf den periphersten Teil des
Immunsystems, der von 2 -
4
% der Epidermiszellen gebildet wird (250
-
800
Zellen pro mm2), wirkt Hß dämpfend auf die Aktivität der Langerhansschen
Zellen. Der immunologische Hautreiz, der im gesamten Immunsystem eine Reaktion
als Anwort auf den Reiz hervorruft, scheint die Wirkung des Schwefels in den Bädern
am besten zu erklären. Die klinische Anwendung von Schwefelbädern wird mit
antiphlogistischen Prozessen im Organismus in Verbindung gebracht.
Bei
den chemischen Wirkungen des Dudincer Mineralwassers müssen wir noch die
Wirkung des Salzes erwähnen. Es ist bekannt, daß Salzlösungen günstig auf
die Resorptionseigenschaften der Haut einwirken. Nach Joachimovits lagern sich
die Salzpartikel in den Hautoren ab, wo sie sich eine gewisse Zeit halten. Jedes
Salzkristall wirkt mit dem Hauteiweiß zusammen als Allergen, denn es stellt
zusammen mit den geschädigten Zellen aus der nächsten Umgebung eine sehr zarte
Reizung durch ein Fremdeiweiß dar. Nach Wiederholung der Schwefelbäder kommt
es zu einer inspezifischen Reiztherapie. Diese Erscheinung ist ein Grund für
das Verabreichen von Massagen vor dem Bad, damit es nicht durch Massage nach
dem Bad und hauptsächlich durch die Dusche nach der Massage zu einem Entfernen
der Salzkristalle aus der Haut kommt, und damit sich die Einwirkungszeit der
inspezifischen Reiztherapie verlängert (31).
Bezüglich
der Heilwirkung sind auch einige andere Mineralien zu erwähnen, und zwar
lithium, Magnesium, Fluor, Jod und Sulfate, deren Konzentration zwar geringer
ist, aber dennoch höher liegt als im Trinkwasser.
Lithium
(Li+) hat bei psychischen Störungen eine bekannte therapeutische Wirkung,
Fluor (F-) hat eine Aufgabe beim Knochenaufbau und präventive Bedeutung bei
Zahnkrankheiten, Jod (J-) entwickelt bei Entzündungen der oberen Atemwege
mukolytische Wirkung, so wie bei der Resorption entzündlicher Exsudate und
Arteriosklerose, und Magnesium (Mg2+) wird eine positive Rolle bei der
Reizleitung im Herzen, für die Kontraktilität der Herzmuskelzellen und eine präventive
Bedeutung bei Herzkrankheiten zugeschrieben.
Das
Mineralwasser in Dudince enthält auch Sulfate (509,79 mg.I-1) und stellt
zusammen mit Na+ ein salinisches Wasser oder Glaubersches Wasser dar (Aquae
salinicae seu Glauberianae), in Verbindung mit Ca2+ ein gipshaltiges Wasser (Aquae
gypsosae) und in Verbindung mit Mg2+ ein Bitterwasser (Aquae amarae).
Sulfatwasser stimuliert nach dem Trinken die verbesserte Entleerung der Gallenblase
und erhöht die Cholerese in der Leber. Bei der Inhalation führen salinische Wässer
zu einer Auflösung des Schleims in den Atemwegen und nach dem Trinken im Magen.
Gleichzeitig bewirken sie wegen ihres alkalischen Charakters
ein Neutralisieren der Magensekrete. Sie stimulieren die exkretorische Funktion
der Bauchspeicheldrüse.
Im
therapeutischen Prozeß der Kurbehandlung nutzen und rechnen wir noch mit
physikalischen Faktoren beim Eintauchen in das Bad.
Die
physikalischen
Wirkungen
des
Bades
a)
Der hydrostatische Druck,
der
pro 30,5 cm Wassertiefe um 22,4 Torr ansteigt, übt proportional zur
Eintauchtiefe einen höheren Druck auf das Bindegewebe des Menschen aus. Ferner
ruft er einen Druck auf den Bauch hervor und drückt das Zwerchfell kranial in
den Brustkorb, wobei die kardiorespirativen Strukturen zusammengepresst werden.
Dadurch kommt es zu einem Absinken der Vitalkapazität der Lungen, der
funktionellen Residualkapazität, des exspiratorischen Reservevolumens, des
arteriellen Sauerstoffpartialdruckes und zu einem Anstieg des Atemwiderstandes
sowie der Sauerstoffdifferenz zwischen Alveolen und Arterien.
Wie
Eisner und Kolesar (15) feststellten, führt eine höhere Badetemperatur zu
einer Milderung der ungünstigen Auswirkungen auf einige Respirationsparameter -
die
Vitalkapazität (VC), die Ventilation
(V), das
Atemvolumen (V T)' die angestrengte Ausatmung pro Sekunde (FEV1), jedoch
erhöht sich gleichzeitig die Herzbelastung.
Diese
Wirkungen, insbesondere die Verschiebung des Zwerchfells nach oben, was das
Ausatmen erleichtert, können wir bei der Behandlung der BechterewKrankheit und
bei der Lungenobstruktionskrankheit ausnutzen. Außerordentliche Vorsicht ist
bei Patienten mit latenter Herz- und Respirationsinsuffizienz geboten (35).
Durch
den Druck auf die Körperoberfläche kehrt das venöse Blut und die Lymphflüssigkeit
in die Körpermitte zurück und somit ändert sich das Gleichgewicht der
Starlingschen Kräfteentlang den Kapillaren (21). Die veränderte Zirkulation
infolge Immersion äußert sich darin, daß sich das Herzvolumen um 120 -
130
ml erhöht und der venöse Druck von 12,8 auf 19,3 Torr ansteigt. Uska et al.
(46) geben an, daß sich der hydrostatische Druck auch an der Synovialflüssigkeit
bemerkbar macht und mithilft, pathologische Exsudate zu resorbieren.
Die
durch das Bad verursachten neuromuskularen Funktionsänderungen, wie z.B. die
verbesserte Muskelrelaxation und Beweglichkeit, die verringerten reflektorischen
Kontraktionen und der Sauerstoffverbrauch werden bei der Behandlung von
Erkrankungen des Bewegungsapparates positiv ausgenutzt.
Endokrine
Änderungen, verursacht durch die Badewirkung, führen zu einer Dämpfung der
Sekretion von Plasmavasopressin, zum Absinken der Sympathikus-Nervenstimulierung,
zum Absinken der Aktivität von Renin, Angiotensin und Aldosteron, zur erhöhten
Aktivität der renalen Prostaglandine und insbesondere zur Sekretion des
atrionatriuretischen Peptids (ANP) (es entsteht vor allem im Herzen bei der
Vorhofdehnung), wodurch es zu Änderungen in der Hämodynamik und in der
Nierenfunktion kommt, aber ANP ist auch für einige Veränderungen in den
endokrinen Funktionen verantwortlich, wie Absinken von Renin, Angiotensin,
Aldosteron und Noradrenalin, was zu einer erhöhten Ausscheidung von Na, CI, K,
Ca und P führt, aber auch zum Sinken des Gefäßwiderstands und somit zum
Sinken des Blutdrucks, was bei der Behandlung von kardiovaskulären, Nieren- und
anderen Krankheiten ausgenutzt wird.
Der
Mechanismus der Diurese im Bad wird erklärt: 1. durch Dämpfen der Sekretion
des antidiuretischen Hormons (ADH), 2. durch erhöhte Freisetzung von renalen
Prostaglandinen, 3. durch geringere Aktivität des sympathischen Nervensystems.
Diese Veränderungen haben besonders bei der Behandlung der Hypertonie, und zwar
der essentiellen und der renovaskulären, wie auch beim nephrotischen Syndrom
Bedeutung, ferner bei der Behandlung
von Ödemen auch bei Zirrhose, also
bei der Behandlung von klinischen Zuständen, die mit Störungen des Wasser- und
Elektrolythaushalts einhergehen;
b)
das Leichterwerden,
denn
der Auftrieb verursacht, so besagt das Gesetz des Archimedes, ein Entlasten des
Körpers um die Kraft, die dem Gewicht der vom Körper verdrängten Flüssigkeit
entspricht. Da die spezifische Masse des Körpers mit 1,025 g.cm-3 größer ist
als die des Wassers, kommt es nach dem erwähnten Gesetz dazu, daß z.B. ein bis
zum Hals ins Wasser getauchter Körper von 70 kg um etwa 8 kg erleichtert wird.
Die Bedeutung der Entlastung wird dann offensichtlich, wenn man sich bewußt
macht, daß die Gravitationskrankheiten
nicht nur die Gefäße (Varizen), sondern auch den Bewegungsapparat (Arthrosen)
betreffen. Die pathogenetische Bedeutung der Gravitation kommt vor allem bei
Fettleibigkeit zum Tragen, aber auch bei Fehlstellungen der Knochen und Gelenke
und bei einigen Berufen. Während des Badens kommt es zu einer Entlastung der
Gelenkstrukturen, wenn auch nur kurzzeitig, was das Verschwinden der
nozizeptiven Afferenz, ein Erleichtern der Bewegungen zur Folge hat, und der
wiederholte Badereiz wirkt unterstützend
bei der Wiederherstellung
eines
normalen Bewegungsstereotyps.
c)
Wärme.
Ein weiterer bedeutender Faktor bei der Balneotherapie in Dudince ist die
Temperatur der hydrotherapeutischen Ganz- oder Teilkörperanwendungen,
und
zwar im Sinne der Thermotherapie. Sie kommt in Wannenbädern zum Tragen, deren
Temperatur bei 34 - 38 C liegt, in Becken bei 33 C bei der Hydrokinesetherapie
und
bei 34 C im Fall von Bädern im Becken. Die Applikation der Thermalbäder bildet
einen wesentlichen Bestandteil der Balneotherapie. Das Thermalbad erzwingt
thermoregulative Änderungen. Es kommt zu einem Ansammeln von Wärme im
Organismus und infolgedessen zu Wirkungen der erhöhten Temperatur, also zu
Auswirkungen auf Metabolismus, Immunsystem, Reflexe und Regelkreise.
Schon bei lokalen balneotherapeutischen Wärmeprozeduren
werden wünschenswerte
therapeutische Effekte erzielt, wie 1. Schmerzlinderung, 2. Entzündungshemmung,
3. Hyperämisierung und Verbesserung der Trophik, 4. beschleunigte Diffusion, 5.
Stimulierung der Phagozytose, 6. Absinken der Viskosität der Synovialflüssigkeit,
7. Abbau des Muskeltonus.
Die
thermoregulativen Veränderungen in der umfassenden Balneotherapie in Dudince
werden durch Applikation der Thermalbäder hervorgerufen. Bedingung für den Wärmeübergang
aus dem Wasser in den Organismus ist das Bewahren der Reaktivität der Hautgefäße,
die mit Vasodilatation reagieren. Der thermoregulative Blutkreislauf der Haut
bedingt den Übergang der Kalorien aus dem Badewasser in den Körper, wobei sich
die Kalorienmenge messen und mit der Methode der "Autokalorimetrie"
nach Ipser (30) auch berechnen läßt. Die therapeutische Wirkung der
mineralischen Thermalbäder beruht vor allem in den metabolischen und
reflektorischen Gesamtveränderungen, die der Hyperthermie des Organismus
proportional sind. Nach dem Gesichtspunkt unserer Indikation sind folgende
Effekte der Hyperthermie wichtig: Analgesie, Relaxation der Muskeln und nach
neueren Erkenntnissen auch der Sehnen, Vasodilatation, Eutrophisierung der
Gewebe. Durch Hyperthermie wird der eigentliche Entzündungsprozeß beeinflußt
und sein allergisches Terrain desensibilisiert, und zwar auf dem Wege des
vegetativen Nervensystems und des endokrinen Systems Hypophyse Nebenniere. In
Dudince verschreiben wir nach Wannen- und Beckenbädern eine 20-minutige
Ruhepause auf Liegen, verbunden mit einem trockenen Wickel, mit dem wir beim
Patienten, die durch die vorhergehende Prozedur vermittelte Wärme längere Zeit
bewahren.
Laut
den Arbeiten von Hlavacek (26) ist die während des Thermalbades vom Patienten
aufgenommene Wärmemenge der Masse des Patienten, der Fettmenge und seinem Übergewicht
proportional, wie sie durch den BrocaIndex ausgedrücktwerden. Hlavacek wies
auch nach, daß die aufgenommene Wärmemenge umgerechnet
auf die Einheit der Masse dem Körpergewicht des Patienten umgekehrt
proportional ist. Das heißt, daß ein magerer Patient weniger Wärme aufnimmt,
als ein fettleibiger, aber jedes Kilogramm seiner Masse wird intensiver erwärmt
als bei einem fettleibigen Patienten.
Die
Gesamtwirkungen der Bäder
Ganz
allgemein stellt der Komplex der im Bad auf deh Organismus einwirkenden Reize
einen Eingriff in praktisch alle Lebensfunktionen dar. Die Erklärung der
Gesamtwirkung des Bades widerspiegelte stets die Erkenntnisse der Medizin in der
Physiologie, Pathologie und Therapie.
Die
neurale Konzeption beobachtete vor allem die reflektorischen Veränderungen auf
der Ebene des Zentralnervensystems (ZNS) und des vegetativen Nervensystems, denn
bei vielen Erkrankungen kommt es zu langwährender nozizeptiver Afferenz aus der
Peripherie in die Hirnrinde, was zu einer Gleichgewichtsstörung in den
ZNS-Prozessen führt. Die therapeutischen Effekte im Rahmen der Kurbehandlung
verhelfen zum Ausgleichen und Stabilisieren der ZNS-Prozesse.
Aus
der Sicht der neurohumoralen Regulierung wurde den reaktiven Wirkungen auf das
sympathikoadrenale und adrenokortikale System Aufmerksamkeit gewidmet, und
insbesondere der Achse Hypophyse - Nebenniere und ihren Hormonen, die in der
Therapie eingesetzt werden und zu deren Änderungen es während eines Bades,
aber auch während einer Serie von Bädern kommt. Ähnlich ist es auch mit den
Wandlungen des sympathikoadrenalen Systems. Die Verschiebungen der Katecholamine
im Blut und ihre Ausscheidung durch den Harn wurden während der Kurbehandlung,
aber auch im Verlauf einer einzigen Prozedur aufgezeichnet. Beide Systeme, das
sympathikoadrenale und
das adrenokortikale, haben adaptiv-trophische Funktionen.
Bezüglich
der Rolle von Mediatoren im Sinne der Lewis' schen humoralen Theorie werden
insbe ondere Histamin, Azetylcholin, Serotonin und Bradykinin diskutiert. Auch
zelluläre und molekulare Wirkungen werden vorausgesetzt. In letzter Zeit
gelangten Änderungen im Immunsystem in den Vordergrund der Diskussion.
Die Wirkungen
auf Immun prozesse
In
den letzten Jahren wird bei der Begründung der einzelnen Prozeduren der
Kurbehandlung, und zwar sowohl der kohlensauren als auch der schwefligen Bäder,
aber auch anderer, sowie einer Serie dieser Prozeduren und der Kurbehandlung
insgesamt der Schlüssel zur Erklärung der günstigen Wirkungen in der Erhöhung
der inspezifischen Resistenz und in einigen Immunprozessen gesucht. Ferencikova
et al. (16) beobachteten in Dudince den Einfluß einer Serie von Kohlensäurebädern
bei Patienten mit Hypertoniekrankheit im I. und 11. Stadium während einer fünfwöchigen
Kurbehand
lung.
Beim Verfolgen der Aktivitäten von Lysosym stellten sie dessen Absinken mit dem
Alter fest. Im Verlauf des Bades verringert es sich, der niedrigste Wert wird in
der 30. Bademinute verzeichnet, und nach 30 Minuten Ruhe beginnt es wieder
anzusteigen. Diese Änderungen sind nach dem ersten und dem zwanzigsten Bad am
größten, und sie sind bei jüngeren Patienten markanter als bei älteren.
Auch
die Aktivität von Beta-D-Glukuronidase (BOG) und von N-Azetyl-Beta-DGlukosamidase
(NAG) hatte mit dem Alter eine sinkende Tendenz, während die Aktivität der
sauren Phosphatase (KP) praktisch unverändert blieb. Während eines Kohlensäurebades
verringerten sich die Aktivitäten von NAG analog wie die vom Lysosym, die
Aktivitäten von BOG und KP veränderten sich nicht signifikant. Nach
wiederholten Kohlensäurebädern erhöhten sich die Aktivitäten von BOG bis
zum 10. Bad nur bei Personen bis zum Alter von 40 Jahren. Veränderungen bei älteren
Personen, ebenso wie Änderungen in der Aktivität von NAG und KP, waren nicht
bedeutend.
Der
INT- Test (auf die Fähigkeit der peripheren neutrophilen Granulozyten zur
metabolischen Aktivierung), die metabolische Aktivität der Granulozyten ausdrückend,
erhöht sich während der Behandlung mit Kohlensäurebädern in unbedeutendem Maße,
und diese Tendenz zur Erhöhung zeigt sich nur in der Alterskategorie bis 40
Jahre, während man auch diese Tendenz in der Altersgruppe über 51 nicht mehr
beobachten kann.
Die
Beobachtung zirkulierender Immunkomplexe im
Blutserum (CIK) bewies,
daß deren Menge mit dem Alter
leicht ansteigt, während
sie sich während eines Kohlensäurebades unbedeutend verringert. Nach
wiederholten Bädern wurde eine signifikante Verringerung ihrer Menge nur in der
Alterskategorie der 41 - 50-jährigen festgestellt, während die Änderungen in
den übrigen Kategorien unter 40 und über 50 Jahre statistisch nicht
signifikant waren.
Bei
Patientinnen mit vertebrogenem Syndrom veränderten sich während der Kohlensäurebehandlung
in Dudince weder die Spiegel der Immunglobuline IgG, IgM, IgA und CIK, noch die
Aktivitäten der beobachteten Iysoso malen Enzyme im Blutserum (Lysosom, BOG,
NAG, KP) (Abb. 14, 15, 16, 17). Die Anzahl der T-Lymphozyten insgesamt sowie der
aktiven T-Lymphozyten erhöhte sich nach dem Kuraufenthalt signifikant. Dagegen
verringerte sich die INT-Reduktase-Aktivität der Granulozyten nach Beendigung
des Kuraufenthaltes bedeutend.
Aus
diesen Ergebnissen läßt sich ableiten, daß die Intensität und die Richtung
der Veränderung von immunologischen Kenngrößen nach der Therapie mit dem
Naturheilwasser in Dudince nicht nur von der Aufenthaltsdauer und der Gesamtzahl
der verabreichten Bäder abhängt, sondern auch vom Alter des Patienten und der
Art der Krankheit. Wenn die unmittelbaren Wirkungen der Kohlensäurebäder auch
zielstrebig therapeutisch genutzt werden und gut beobachtbar und nachweisbar
sind, führt doch erst eine Serie von Bädern zu den wünschenswerten "dauerhaften"
und länger anhaltenden Wirkungen, die die günstige Wirkung der Kurbehandlung
ausmachen, und zwar zu einem tiefen Umbau der neuralen, hormonalen und humoralen
Regelkreise.
In
Dudince kommt es nach einer Serie von Kohlensäurebädern zu einem bedeutenderen
und dauerhafteren Absinken des Blutdrucks, besonders des diastolischen, aber
auch zu einer Verringerung der Herzfrequenz. Der diuretische Effekt wächst allmählich
durch eine Serie von Bädern. Es kommt zu einer Verbesserung der Belastungstests,
zum Absinken der Vorhof- und Kammer-Extrasystolen (69). Langos, Hrivnak und
Adolf (43) verzeichneten nach der komplexen Kurbehandlung in Dudince bei
Patienten mit Hypertonie im I. und II.
Stadium
einen Abfall des systolischen und diastolischen Blutdrucks, aber auch ein
Absinken der Herzfrequenz, und zwar sowohl in der Ruhe als auch unter körperlicher
Belastung. Mit der Methode der systolischen Zeitintervalle (SZI) nach der
Kurbehandlung verzeichneten sie ein Absinken von PEP (Präejektionsperiode) und
Weissler-Index (WI) PEP/LVET (LVET = Ejektionsdauer der linken Kammer) und eine
Erhöhung der Ejektionsfraktion der Herzaktion, was von einer
Leistungsverbesserung in der linken Herzkammer zeugt.